Upps – nun auch ich

Och nöö, wie öde„, dachte ich, als vor Wochen die Lehrerblogs aller anderen Bundesländer und der sonstigen nördlichen Hemisphäre vom Wett- und Kampf- und Marathonkorrigieren und nichts als dem Wett- und Kampf- und Marathonkorrigieren zu berichten wussten. „Das will doch  niemand lesen, das wissen wir doch, das ist doch immer das gleiche, damit braucht Ihr nicht anzugeben, da müssen wir alle durch …
So und noch ein bisschen genervter dachte es in mir vor ein paar Wochen.

Doch eben ertappe ich mich, wie sich im Kopf ein Textchen formt, was heute doch für ein schrecklicher Tag gewesen sei, bis acht Uhr in der Schule, 120 Noten, oder eigentlich mal drei genommen (wegen Verhalten und Mitarbeit), und lauter so rekord-erschreckliche Zahlen. Ein kleines zartes Korrigierschuljahresendkonferenzjammerpost also. Na, das lasse ich mal schön bleiben. Zumal es sowieso das drölfzigste seiner Art wäre, für dieses Quartal. Neee neee, das will nun wirklich niemand lesen.

Aber es lag mir auf der Zunge – ähm auf den Tasten. Und deswegen überkommt mich umgehend ein schlechtes Gewissen gegenüber all den Kollegen, denen ich vor Wochen so genervt zugelesen habe (entschuldig mich gen Norden, entschuldig mich gen Süden, hiermit).

Überlege, warum wir wohl das Bedürfnis haben, uns in diesen unerquicklichen Zeiten so ausdauernd aus dem Korrektursumpf mitzuteilen. Vermutlich, weil es nichts Öderes, Hirnzukleisternderes, Geistauspustenderes, Nervleersaugenderes gibt als die Dauerkorrigiererei. So dass ein elementares Bedürfnis erwacht, einfach ein bisschen Kontakt mit der Welt aufzunehmen. So wie die Gänse vom Herrn Lorenz: „Piep, hier bin ich mal wieder. – Und wo bist Du?

Ja, so muss das sein. So erkläre ich das jetzt jedenfalls vor mir selbst. Und vor Euch. Die Ihr nun beruhigt sein könnt, dass das mein letzter Eintrag im Dunstkreis des Korrigierthemas für dieses Schuljahr war. Versprochen. Lorenzgänsigkeit ist hier erst im nächsten Schuljahr wieder zu lesen.

Dafür noch eine kleine Anekdote aus der heutigen Konferenz. Kollegin hat Tochter dabei, fünfjährig. Tochter sitzt brav dabei, hört sich unsere Gerede ne Weile an. Zwanzig Minuten etwa reicht ihre Geduld. Dann flüstert sie ihrer Mutter ins Ohr: „Es stimmt nicht, was Du gesagt hast. Ihr arbeitet ja gar nicht. Ihr sitzt hier einfach nur!!!
Und wieder ist das Bild des faulen Lehrers in der Gesellschaft ein wenig besser verankert ;-)

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4 Kommentare

  1. Häää – wieso hat die Recht? Erinnerst Du Dich denn nicht mehr, welch mentale Schwerstarbeit Konferenzen sind, allein das viele Ruhighalten ;-)
    Und platzen – als Mastgänse, oder so? Leider fehlt es dazu an der angemessenen kulinarischen Versorgung auf den Konferenzen, schnüff. Da wäre ich gern mal einen Tag lang Mastgans …

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