Kindergeburtstag, der neunte

Sommerferiengeburtstagskinder haben Pech: immer sind zu ihrem Feste alle Freunde verreist.
Sommerferiengeburtstagskinder haben wiederum Glück: sie dürfen nämlich aus diesem Grund stets zweimal feiern.
Gestern also nochmals Geburtstag, der neunte.

Teil 1: Die Fuchsjagd
Ja, geschickterweise legt man die ans Ende, das weiß ich. Aber wir wollten den Nur-Nieselregen nutzen – in der Angst, dass der später stärker würde.
Erste Überraschung: der Sohn soll sich eine Füchsin auswählen – doch die jungen, geladenen Damen zieren sich allesamt. Und zwar mit einer Gestik und Mimik, die deutlich verrät, dass man das jetzt nicht mehr mache: Mädchen und Junge allein – dann denken doch alle gleich … aha :)
Der Sohn wählt sich also einen Freundfuchs und begibt sich mit diesem in die Felder.
Die Möchtenichtfüchsinnen und die übrigen Jungs werden zu spurensuchenden Fuchsjägern.
Ein nächstes Aha-Erlebnis. Während im letzten Jahr noch stürmisch und kindlich-aufgeregt den Spuren, auch den in die Irre führenden, nachgerannt, keuchend in alle möglichen Richtungen gestoben, alles ausprobiert wurde, bis der richtige Weg gefunden war (und letztlich die Füchse uneinholbaren Vorsprung gewonnen hatten), geht die Kinderschar diesmal besonnen, ruhig, fast schon abgeklärt vor. „Nein, wenn sie hier einen Pfeil gezeichnet haben, dann sind sie gerade nicht da lang gegangen – das soll uns täuschen, denn wo sie wirklich abgebogen sind, war nie ein Pfeil.“ — und — „Nein, das haben sie nur so auf diesen Weg gelegt – wären sie dortlang gegangen, könnten wir doch auf dem Untergrund ihre Spuren nicht mehr finden.“ — so argumentieren die kleinen Jäger. Ich bin verblüfft. Und wir sind dadurch viel schneller als letztes Jahr.
Erspähen bald am Horizont die Füchse, und in dem Moment erwacht zu meiner Erleichterung doch noch ein kindlicher Renn- und Jagdtrieb. Die Tochter und ich werden abgehängt, die Jäger rennen querfeldein, ausdauernd, listig-lustig und erobern die Schwanztrophäen.

Teil 2: Nach der Fuchsjagd
Nein, die Mütter waren nicht schuld, dass die Gästekinder allesamt in Jeans und Halbschuhen über die regenmatschigen Felder tobten. Erfuhr ich doch im Nachhinein, dass der Sohn, welcher morgens alle Gäste deswegen anzurufen hatte, auf die Nachfrage, ob Regenhosen und Gummistiefel auch, oder nur Regenjacke, stets großzügig geantwortet hatte: „Nein, Jacke reicht.“
Also hole ich beim Heimkommen einen Stapel Jungshosen in 140 aus dem Schrank und einen Stapel Mädchenhosen in 128 vom Speicher (es geht doch nichts über gute Kleidervorratswirtschaft :) ), stelle die Sockenkiste des Sohnes daneben und fordere die Kinder auf, die nasse durch trockene Kleidung zu ersetzen.
Wieder ein Aha-Erlebnis. Die Jungs bedienen sich gleichmütig vom Hosenstapel, sind aber nicht zu bewegen, ihre Socken mit Fußball- oder sonstigem Motiv gegen eines unserer langweiligen Paare einzutauschen. Was nicht geht, geht eben nicht :)
Die Mädchen dagegen akzeptieren zu meiner Überraschung die jungsfarbenen Socken, stehen aber vor den Hosen mit langanhaltendem: „Nee, iiih, die nicht.“ Und dabei geht es nicht darum, dass sie zu kurz sind. Es braucht ne Weile, bis sie sich überreden lassen, die eigenen Hosenbeine sind wohl doch zu nass.
Nächstes Aha-Erlebnis: Jedes Kind braucht zum Umziehen ein eigenes Zimmer. Lediglich zwei der Mädchen gehen zusammen ins Bad. Aha – sehr laut denke ich das. Und frage die Kinder, wie sie das denn beim Sportunterricht machen würden. Das wäre ja was anderes, stöhnen sie einmütig, und schauen mich so an, dass mir klar wird, dass ich einfach keine Ahnung habe.

Teil 3: Die Spiele
Nein, ich bin nicht naiv. Zwei oder drei hatte ich vorbereitet. Nicht mehr. Und auch nicht aus der Kategorie Topfschlagen oder so.
Letztlich finden sie die dann doch witzig, wollen sie nächstes Jahr wieder spielen. Bis es aber dazu kommt, tönt ein einziges: „Müssen wir jetzt spielen?“ – und – „Ist das langweilig!“ – und – „Wie lange dauert’s denn?“ – und – „Keine Lust.
Ich bin kurz vorm Aufgeben und mal wieder heilfroh, nicht Grundschullehrerin zu sein (allein die Kreischfrequenz!), bleibe stets darauf bedacht, dass das aufs Hochbett gekletterte Kind heil wieder runter kommt, das sich im Regal versteckt habende sich keinen Splitter einreißt, das sich ins Bettlaken eingehüllt habende beim Toben von den anderen nicht aus Versehen getreten wird, und muss so eine Art Lehrerinnentonfall anschlagen, damit am Ende alle ruhig am Boden im Kreis sitzen.
Nun gut, wie gesagt, die Spiele selbst werden dann doch akzeptiert.

Teil 4: Das Essen
Kind 1: „Was soll’n das sein?“ (zu meinem Kuchen in Flugzeugform)
Kind 2: „Ich mag keine Kirschen.
Kind 3: „Ich will ein Stück nur mit Smarties, keine Gummibärchen.
Kind 4: siehe Kind 3, bloß umgekehrt
Kind 5: „Ich will überhaupt keinen Kuchen.
Kind 6: „Den Apfelsaft trink ich nicht.
Kind 7: „Gibt’s auch was anderes?
Kind 8: „Ooh-ooh.“ (das muss man sich zweimal auf und ab geheult vorstellen – als Reaktion auf meine Antwort, dass ich das vorher gekochte Solei jetzt nicht extra wieder warmmache)
Kind 9: in empörtem Tonfall „Ich bin doch Vegetarier.“ – ok, ok, aber woher soll ich das wissen?
Kind 10: „Wie sieht denn das aus?
Kind 11: „Iiih, das esse ich nicht.
Kind 12: „Das sieht eklig aus.
Kind 13: „Ich mag überhaupt kein Gemüse.
Kind 14: „Salat ess ich nicht.

So viele Kinder waren’s eigentlich gar nicht. Aber die Kommentare hätten glatt für die doppelte Menge gereicht :(
Während ich die Aha-Erlebnisse im ersten Teil ja noch ganz lustig fand, muss ich gestehen, dass mir dieses Essensgebahren doch sehr zu denken gibt. An den Familien, an den Eltern liegt es nicht, wage ich zu behaupten, die kennen wir fast alle. Sicher haben sie sich in der Gruppe gegenseitig angestachelt dabei. Und dennoch …
Haben sie einfach zu viel, unsere Kinder?
Sollten wir hin und wieder eine künstliche Wasser-und-Brot-Situation erzeugen, oder wie lehrt man den respektvollen und dankbaren Umgang mit etwas, was glücklicherweise heutzutage für uns selbstverständlich ist? (*fragend guck*)

Fazit:
Ich bin erschöpft.
Im nächsten Jahr müssen wir es irgendwie anders machen. Aber bis dahin ist ja noch Zeit. Dazwischen zur Erholung :) der Tochtergeburtstag. Da geht alles noch ein wenig friedlicher zu.
Übrigens: nachmittags gestand er mir, der Sohn, dass es „total superschön“ war; und die anderen Kinder hatten ähnliches zu ihren Müttern beim Abholen gesagt. Ein letztes Aha-Erlebnis :)

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3 Kommentare

  1. Ich habe schon neulich, als ich deinen Eintrag das erste mal las, darüber nachgedacht, wie das bei meinen Jungs an den Kindergeburtstagen war. Also Mädchen wurden ab ca. der 3. Klasse nicht mehr eingeladen.
    Beim Großen konnten wir meistens auch draußen was machen. Zuerst Schnitzeljagd mit Schatzsuche und später haben wir ne (Fahrrad-)Ralley mit Fragen draus gemacht. Bei Schulfreunden wurde damals auch viel Fussball gespielt, was meiner aber nicht so mochte.

    Der Kleine hat im Winter Geburtstag, was meistens drin feiern bedeutete. Nur einmal hatten wir das Glück, dass Schnee lag und alle zusammen nen Schneemann bauten und draußen spielten. Ich hatte zwar immer Spiele vorbereitet, aber es kam auch vor, dass wir kaum was spielten, weil die Kinder ganz schnell mit dem Lego so beschäftigt waren und ich sie nicht aus ihrem Spiel reissen wollte. Meistens hab ich was zum Basteln vorbereitet, so dass jedes Kind hinterher auch was mitnehmen konnte. Das fanden die meisten immer toll.

    Und ich hatte selten solche Probleme, dass mehrere Kinder irgendwas nicht wollten. Nur einer war mal dabei, der immer sehr extra war. Es waren abr auch immer eher weniger Kinder da, weil in der Wohnung einfach nicht so viele Platz haben.

    In den letzten Jahren hab ich dann meist nur noch 1-2 Kinder eingeladen und mit allen etwas Schönes unternommen, z.B. Ausflug ins Bergwerk, Spaßbad, etc. Und ich war froh, dass es eben nicht mehr der Spielenachmittag war, denn danach war ich immer ganz erschlagen.

    Der Junior war letzte Woche beim Kegeln zu einem Schulfreundgeburtstag und der Große war mal mit beim Kart fahren.

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  2. Hej, Constanze, für die nächsten Jahre hole ich mir dann bei Dir Tipps für Unternehmungen – ich denke, in der Form wird das auch nicht mehr lange gewünscht werden.
    Und bislang hatten wir IMMER Glück mit dem Wetter: es war echt das erste Mal, dass wir nach drinnen ausweichen mussten.
    Bin gespannt, wie sich das mit dem Einladen der Mädchen weitergestaltet. Diesmal war's Hälfte-Hälfte. Mal schauen ….

    Lieben Gruß
    Uta

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