Dicht

Warum, frage ich, als mir die Karte zum Unterschreiben gereicht wird.
Ein Rückfall, höre ich, und ein paar Einzelheiten. Ein Schauder läuft mir über den Rücken. — Durch die Hölle gegangen ist die Kollegin in den letzten Monaten wegen der Verletzung ihrer Tochter. Einmal habe ich sie getroffen, im Blumenladen. In dem, in welchem ich schon Grabblumen gekauft hatte. Ein Schatten ihrer selbst. Damals schien sich alles zum Guten zu wenden, ganz allmählich. Und jetzt das. Wieder weiß keiner, was wird.

Und noch eine Karte wandert durch den Raum. Warum, auch hier die Frage. Die Schulleitung nennt sie „schwer erkrankt“. Das wird sonst nie öffentlich erzählt. Es scheint … nein, nicht hineinvertiefen in diesen Gedanken, nicht jetzt. Ich unterschreibe seufzend. — Immer schon war sie häufig krank gewesen. Wir hatten mit den Augen gerollt, waren genervt, ihre Arbeit miterledigen zu müssen. Immer wenn es eng wurde, entzog sie sich. So dachten wir, alle. Ich seufze noch einmal.

Wie schön, sage ich eher zu mir als zu ihr, die in dem Moment ihren dicken Bauch an mir vorbeischiebt. Wie schön, und möchte den am liebsten streicheln. Und dann sprechen wir über das Vertrauen und wie dicht die Dinge beieinander liegen. Und über die Klinik, in der wir beide ein Sternchen gehen lassen mussten. Das wussten wir voneinander nicht. Dass meine Tochter deswegen genau dort zur Welt gekommen ist. Und dass ihr Kind deswegen genau dort nicht zur Welt kommen soll.
Dass unsere Schritte so unterschiedlich sein können, die Schritte auf dem Weg des Vertrauens, in die immer gleiche Zuversicht hinein …

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Ein Kommentar

  1. Hallo Uta,

    so oft liegt so vieles dicht beieinander. Ich habe das in den letzten Jahren so oft erleben können und auch müssen.
    Und so vieles gleiches ist doch so unglaublich unterschiedlich.
    Und trotzdem ist das wichtigste, auch einmal die andere Seite anzuschauen, versuchen von seinem angestammten Weg einmal abzulassen. Ich habe das auch einmal an einer Kollegin „gelernt“.

    Schon eine Weile war ich nicht mehr hier bei dir, mir fehlt einfach zur Zeit die Zeit zum langen, intensiven lesen. Nun wollt ich dir aber wenigstens einen kleinen Gruß hier lassen und nicht einfach still wieder gehen.

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