Ein nächtlicher Mutklick …

… heute vor einem Jahr brachte dieses Blog vom verschlossenen in den offenen Zustand. Ja, ich hatte es zunächst im Geheimen ausprobiert, ob und was es zu schreiben gäbe, und dann ein paar Tage Mut ansammeln müssen, bevor ich wagte zu öffnen.
In der Nacht, bevor ich nach Berlin auf Klassenreise fuhr, änderte ich also den Status und schickte einigen wenigen Menschen den Link. Und war dann erstmal weg …
So.

Und dann fing meine Schreibreise an, wurde mir wichtiger, bedeutsamer, ist mir heute kaum noch wegzudenken. Als hätte sich mir mit dem Schreiben eine neue Welt eröffnet, die es vorher nicht gab, oder die still schlummerte. Seither schreibe ich viel, ganz viel, täglich, auch um das Blog herum, in anderen Schreibräumen.
Was und in welcher Sprache – das hat sich gewandelt durch die Monate. Ich plane es nicht, ich nehme, was kommt. Denn ja, die Texte kommen von allein, so erscheint es mir.

Soeben habe ich quergelesen, geschmunzelt, mich erinnert, war erstaunt, erschüttert auch. Sehr viele Farben sind mir in diesem Jahr begegnet. Sooo viele!
Tatsächlich scheint mir, dass ich intensiver lebe, seit ich hier schreibe. Dass ich Dinge anders oder überhaupt erst wahrnehme, Dinge, die sich früher ins Vergessen verflüchtigt haben.

Ja – im rechten Spaltentext, der dort seit einem Jahr unverändert steht, habe ich geschrieben:
Wenn ich mich öffne, herantaste, hineindenke, hinterfrage, nachsinne, weiterträume, dann scheinen durch mein Alltagserleben plötzlich das große Ganze, die Tiefe und die Weite, die Schwere sowie die Schwerelosigkeit durch. Dann werden unscheinbare Dinge plötzlich bedeutsam, dann wird meine Sicht eine andere, dann öffnen sich neue Dimensionen. In Anbetracht dieser Fülle kann ich manchmal nur staunen.
Ja, genau so!!!
Ich würde es nach einem Jahr wieder so formulieren.

Vor einem Jahr fragte ich mich :
Werde ich beim Schreiben ganz ich selbst sein können?
Ist nicht die Konstruktion meiner Wortgebäude auch Verstellung?
Ist es Wahrheit, wenn ich Bestimmtes auswähle?
Ist es Offenheit, wenn ich Anderes weglasse?
Bin das überhaupt ich, die hier schreibt?

Ja, auf jeden Fall. Das bin ich.

Ob allerdings meine Auswahl der Themen (und damit auch das Weggelassene) und die Wortform der Texte in den Kategorien von Wahrheit, Offenheit und Verstellung zu bewerten sind? Nein, eher nicht.
Immer wieder, klar, denke ich darüber nach, welches Bild ich hier von mir erzeuge. Natürlich ist das nicht mein ganzes Ich. Aber – und deswegen wage ich weiterhin zu sagen „Das bin ich“ – ich setze mir keine Maske auf, glätte mein Auf und Ab nicht, habe keine Intention, etwas „Bestimmtes“ zu sagen – weder thematisch noch stilistisch – sondern ich lebe das Schreiben wie einen jeden Tag:
Ich nehme es, wie es ist. Greife die Wort- und Satzfetzen auf, die vorbeigeflogen kommen. Lasse mich von einem Geschehnis spontan überreden, es in Textform zu bringen, habe mir keinen Rhythmus auferlegt, verfolge keine Linie.
Ein Sammelsurium also. Spontan, ungeplant, durcheinander, unsystematisch.
Meist. Ab und zu Themen, die mich lange und länger verfolgen, ohne dass ich Zeit für ein Niederschreiben finde. Ja, doch, dann gibt es einen Notizzettel – für später – und damit einen Hauch von Planung. Gerade noch so zu vereinbaren mit der Grundspontaneität :)

Und dann steht da noch im Seitentext:
Und ob diese Sprache in andere hineinzugelangen vermag, ist schon nicht mehr wichtig … Fast nicht wichtig.
Hm. Hier bin ich mir nicht sicher, hier schwanke ich. Ja, größtenteils schreibe ich für mich, für mich ganz allein. Und doch sind im Laufe der Monate hier Menschen vorbei gekommen, mit denen Begegnung stattgefunden hat. Weniger in den Kommentaren – nein, ich glaube nicht an die Möglichkeit eines echten Dialogs in Kommentargesprächen (man möge mich eines Besseren belehren oder mir ein Blog-Beispiel zeigen – gerne :) ) – sondern vielmehr hinter den Kulissen.
Dafür bin ich ebenso dankbar wie für meinen Schreibraum selbst.

Sich schreibend begegnen:
Hier begegne ich mir selbst.
Hier begegne ich Euch, die ich kenne.
Und hier begegne ich etlichen schweigenden, mir unbekannten „Gesichtern“ – spannend! Denn wer weiß, welche Gedankenwinde und Gefühlsströme im Hintergrund, für mich unsichtbar, so alles meinen kleinen Raum umwehen ….

Für all das bin ich dankbar. Sehr.
Und wäre auch dankbar, wenn ich mir die Geborgenheit hier in diesem kleinen Raum eine weitere Weile erhalten könnte …

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7 Kommentare

  1. wie bin ich froh um deinen Mutklick, ich fühle mich bei dir wirklich sehr wohl :-) und darf immer wieder Gedanken von dir mit in meine Gedankenwelt einspinnen, danke dafür!!

    Liebe Grüße
    Rina, die sich nun in den Urlaub verabschiedet :-)

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