Rückkehr

Vorgestern

Die Kalender stehen noch auf dem 21. Mai.

Im Garten empfängt uns keine Kirsche, kaum eine Erdbeere. Dafür ein-Meter-hohe Disteln. Das Haus ist zugewachsen wie ein verwunschenes Schloss. Auf der Terrasse fühlt man sich wie auf einer Wiese. Wenn jetzt noch die Häuserdächer ringsum durch Berge ersetzt würden …

Die Bohnen für die echte Maschine sind alle. Ausgerechnet jetzt, beim Italien-Wehmuts-Heimkehrkaffee. Dafür begrüßt uns in der Filtermaschine der Filter unseres letzten, des Mitnehmkaffees. — Wie der eben so aussieht nach zwei Wochen – bäh :(

Zum Abendessen italienische Wurst- und Käseproviantreste, Mitbringbrot aus dem Allgäu, kurz von der Autobahn abgebogen dafür. Essen zwischen den Welten, sozusagen.
(Apropos: Wie immer nach Italien sind meine Hosen ein bissl eng :) Ergänzt sich gut mit meinen Magenschmerzen – sowieso ist Essen gerade schwierig.)

Die eine Nachbarin begrüßt uns: Unsere Holzlatten würden arg nah an ihrer Mauer liegen, das sähe ja nicht schön aus. Dass sie die nur sehen kann, wenn sie sich absturzheischend über ihre Brüstung beugt, lässt uns doppelt mit den Augen rollen. (Wir deponieren die Latten vorerst auf dem Rasen. Dann können wir alle sie besser sehen ;-) )

Zum Glück gibt es die anderen Nachbarn, die Spannendes vom Großfamilienspanienzelten zu berichten wissen und unser Abendweinchen auf der Terrasse mit uns teilen. Und Gespräche über das Fortgehen und das Heimkehren.

Gestern

Wortlos und bildervoll fühle ich mich – würde mich am liebsten ruhig mit mir allein hinsetzen, sinken lassen, alles in der Stille verwandeln … (Man reiche mir eine dritte Urlaubswoche!)
Stattdessen schleiche ich gedämpft durchs Haus. Tue, was getan werden muss. Nach und nach, ganz langsam.
Bin ja leider kein Kind mehr, was am Nachurlaubstag einfach spielen darf :(

Ja, die Kinder erobern sich Garten und Sandkasten und ihre Zimmer zurück: „Es ist ja doch ganz schön, wieder zu Hause zu sein.“
Erst am Abend – der Sohn liefert einen vorpubertären (?) Anfall vom Feinsten, mit der Tochter sind Tränenschluchzgespräche vor dem Einschlafen und ein paarmal in der Nacht zu führen – zeigen sie, dass es auch für sie nicht leicht ist, gleich wieder in den Alltagsrhythmus geworfen zu sein.

Abends Traurigkeitstränen bei mir und das Gefühl, gar nicht mehr zu wissen, wie das geht – Unterricht vorbereiten. Entsprechend lange dauerte es, in die Nacht hinein. Die Uhrzeit verrate ich hier lieber nicht.

Heute

Auf dem Weg zur Schule, Hand in Hand, bestätigen wir uns gegenseitig, dass wir eigentlich noch keine rechte Lust drauf haben. Sagt doch der Sohn zu mir: „Und warum melden wir uns nicht einfach krank? Warum machen wir nicht einfach blau?
Meine Laune steigt sprunghaft, so muss ich lachen. Er hatte das ganz ernst gesagt.

Und doch verheddere ich mich in der Schule in meiner altbekannten Nachferienfurcht: „Und wie bitte soll ich jetzt vor die Klasse treten???“ – Mit ein paar Stolperern und Stottereinlagen geht es dann irgendwie …

Ein Kollege begrüßt mich auf dem Gang mit einer “Auf zum Endspurt”-Bemerkung. Ich werde fast aggressiv, weiß selbst nicht genau warum. — Weil ich die nächsten 7 Wochen nicht als Spurtzeit sehen will, bei der es nur auf das Überqueren der Ziellinie ankommt? Weil ich die Zeit als gelebte durchlaufen will? Langsam – Schritt für Schritt – Korrektur für Korrektur – Termin für Termin – irgendwie so.

Heute erstmal volles Nachmittagsprogramm. Das geht die nächsten Tage so weiter. Die Liste der akutesten Aufgaben dieser Woche ist proppevoll.
Und aus einer unberührten Schreibtischecke lächeln mich Steuererklärung und 96 Klassenarbeiten an. Wenn hier kein Korrekturwunder geschieht, werden es am Freitag 121 sein :(

Bringe ich aus dem Urlaub Kraft mit? — Nur als Samen wohl, so fühlt es sich an. Ich werde sie pflegen und gießen, damit sie keimt und wächst und später erblüht, die Kraft.

Vorerst noch steht der Alltag Kopf. Erst ganz weit hinten scheint ein Stückchen lichtvoller Himmel auf. Immerhin.

Und der Kalender auf meinem Schreibtisch zeigt immer noch den 21. Mai. Dafür war noch keine Zeit.

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