Akt 8 bis 18

Es ist ungleich einfacher, über Empörendes, Katastrophales und unglücklich Gelaufenes zu schreiben als über Unspektakuläres, Glattgegangenes, Ruhiges und Selbstverständliches.
Was also soll ich erzählen von Akt 8 bis 18?! Alles ist gut gegangen. Folglich langweilig zu berichten:
Wir sind einfach in den Zug eingestiegen (morgendliche Berliner-Berufsverkehrs-Benutzer würden uns um die Geräumigkeit der „bereits nahezu vollständig ausgereizten“ Kapazitäten beneiden).
Wir haben einfach am Automaten im Zug die letzte Fahrkarte gekauft.
Wir sind einfach umgestiegen.
Wir haben einfach im Zug das restliche Geld und die Unterschriften der Eltern eingesammelt – und alle hatten es dabei.
Wir sind nochmals einfach umgestiegen.
Wir brauchten uns nicht weiter zu ärgern, dass wir im Zielort nicht alle in einen Bus passen, denn dieser fuhr uns sowieso vor der Nase weg.
Wir wanderten also einfach mit 100 Schülern quer durch den kleinen Ort, unbehelligt von den Aufregungen des Straßenverkehrs (der fließt dort um diese Tageszeit offenbar noch nicht), und die Schüler liefen einfach ohne zu murren mit.
Soweit der Hinweg.

Müßig zu erzählen, dass danach einfach alle ihre Kletterausrüstungen bekamen, eingewiesen wurden und los ging’s.
Fotos habe ich leider nicht geschafft zu machen, aber um eine Vorstellung zu bekommen: So sieht es dort aus. (Die Bilder lassen sich großklicken.)

Vom Rückweg der Großgruppe weiß ich nichts, was ein gutes Zeichen ist. Lief vermutlich ebenso langweilig und unspektakulär ab wie die Hinfahrt. Ich jedenfalls fuhr zur ursprünglich geplanten Zeit mit etwa 20 Schülern nach Hause, die einen dringenden, nicht verschiebbaren Termin hatten. Alle anderen – wirklich! – waren so begeistert beim Klettern, wollten verlängern und fuhren 1 oder 2 Stunden später zurück.
Rundum gelungener Tag.

Von unserer Kleingruppenrückfahrt gibt es auch nichts Aufregendes zu berichten, außer dass wegen Verspätung das letzte Umsteigen arg knapp war. Ich instruierte die Schüler also in der Straßenbahn, nun zügigst zum S-Bahnsteig zu flitzen, so schnell es eben ginge, und wenn alle angekommen wären, könnten wir einsteigen.
Was machen meine 12er? – Die rennen vor unseren Augen über die rote Ampel. Klar: zur Abfahrt bleibt nur noch eine Minute. Neben mir stehen die 7er und 8er (ihre Termine vor Augen) und quengeln: Frau Rebis, können wir nicht auch? Um uns rennen alle (alle!!!) Erwachsenen über diese rote Ampel. Kein Auto weit und breit, gut einsehbar – wir sind die einzigen, die da noch stehen. Die Kinder quengeln, und ich ringe mit mir, ob denn jetzt nicht auch oder nicht … Blöd, das. Vor allem, weil es ringsum so selbstverständlich ist, über rote Ampeln zu gehen. — Puh, zu meiner Erleichterung schaltet die liebe Ampel, während ich noch am Ringen bin, auf Grün. — Und freundlicherweise hat die S-Bahn 5 Minuten Verspätung.
Alle pünktlich zu Hause, alles glattgegangen.

Mein restlicher Tag fand im Gartenliegestuhl statt. Ich bin nach einem solchen Tag k.o., selbst wenn alles klappt, weil die ganze Zeit eine gewisse Anspannung in mir ist, ob denn jetzt … und ob noch alle da sind … und ob jetzt nicht …
Es gibt Kollegen, die empfinden Wandertage und Klassenfahrten weit nicht so stressig wie ich – für mich sind sie mit vom Schlimmsten. (Und der öffentliche Nahverkehr mit seiner Unfähigkeit tut sein Übriges dazu.) Hätte ich die Wahl, würde ich statt eines Wandertages lieber einen schulweiten Wettbewerb organisieren und durchführen oder einen Zusatzstapel Abiture korrigieren oder den ganzen Tag unterrichten oder mit einer „schlimmen“ Klasse sozialkompetenzfördernde Spiele im Klassenzimmer durchführen oder oder oder.

Naja, bisher habe ich noch jeden Klassenausflug überlebt. Aber wenn ich hinterher sage, es war schön – so wie gestern –, dann meine ich ein anderes Schön als bei privaten Ausflügen. Mein eigener Vergnügungs- oder gar Erholungsfaktor hält sich nämlich sehr in Grenzen. Zwar bin ich gestern auch geklettert, aber es war ein himmelweiter Unterschied zum Klettererlebnis auf einem Lehrerausflug vor ein paar Monaten. Damals, das war mein Erleben, gestern, da war ich allzeit in der Lehrerrolle.

(Vom Kletter-Erleben schreibe ich dann nochmal extra, vielleicht.)

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3 Kommentare

  1. Schön, dass alles so gut geklappt hat! Zum letzten Teil: Schulwandertage (oder Kitaausflüge, von denen ich ja mehr Ahnung habe) sind ja für Lehrer bzw. Erzieher keine Urlaubstage. Von daher erwarte ich da schon immer gar nicht, selbst sehr viel vom Zoo, Museum oder sonstigem Ausflugsziel mitzukriegen. Man ist ja meist mit dem Zusammensuchen der Kinder beschäftigt – und das dann auch noch in für alle fremder Umgebung. Aber, und das finde ich jedes Mal beeindruckend, die Gespräche mit den Kindern z.B. beim Wandern zum Ausflugsziel (wenn man mal nicht auf Ampeln etc. achten muss) sind irgendwie anders. Da erfährt man manchmal Sachen, die im Alltag so noch nicht ausgesprochen wurden.

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  2. Ja, manchmal erfährt man mehr – beim Wandern auf ruhigen Waldwegen, wo es keine Ampeln gibt … Und oft erlebe ich die Kinder ganz ganz anders als auf der Schulbank: das bereichert. Gestern war das so.
    Von „Spaß“ sprach ich nur, weil das gestern in einem Kommentar kam – und weil ich mich damit so schwer tue. Tatsächlich gibt es Kollegen, die zwischen ihren „Schäferhundaufgaben“ noch Eigenes mitnehmen können. Die beneide ich ein wenig, will mir von denen Gelassenheit abschauen.
    Lieben Gruß
    Uta

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  3. Ich stelle mir das Hinterher ähnlich wie nach einem Kindergeburtstag vor. Die habe ich natürlich auch immer schön gefunden, aber ich war hinterher immer total platt.

    Sicherlich mit ein Grund, warum ich zur Zeit so selten blogge, dass mein Leben eben so unspektakulär verläuft. Bzw. ich mir über Schwieriges weniger Sorgen mache. Schön langsam frage ich mich ja, ob das noch gut ist so oder ob ich manches vielleicht ernster nehmen müsste. Aber das ist ja hier jetzt gar nicht Thema, entschuldige bitte. Vielleicht sollte ich darüber bloggen ;-)

    In den Kletterwald, in dem ihr wart, wollte ich auch mal hin. Jetzt gehe ich heuer, wenn alles klappt, in einen in meiner Nähe.

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