Ich inhaliere

Früher, da gab es eine Methode, die schien mir wie Folter: das Gesicht über einen Topf heißen Wassers halten. Mir war schon als Kind nicht klar (und ist mir bis heute nicht), warum man die bis dahin gesunde Gesichtshaut einem Angriff überheißen Wasserdampfes aussetzen muss, nur weil die Kehle ein Erkältungsproblem hat. Mir war das so unerträglich, dass ich immer geschummelt habe – das Handtuch rund um den Topf angehoben, mal vorn, mal hinten, damit kühlere Luft hineindringen kann. Oder ich rutschte auf meinem Stuhl unauffällig so weit nach hinten, dass mein Kopf neben dem Topf die kältere Außenluft zu atmen bekam. Über dem Topf war es mir einfach un.er.träg.lich.

Aber davon wollte ich eigentlich gar nicht erzählen. Sondern davon, dass ich mein Kindheitsinhaliertrauma überwinden konnte, weil wir so ein Apparätchen haben, aus dem der Dampf direkt in den Mund oder die Nase strömt, dorthin, wo er eben hingehört. An mein krankes Stimmchen eben (ja, immer noch krank, und ich gehe momentan nicht in die Schule, was ich hätte seit einer Woche tun sollen).

Nun, ich inhaliere also – für die Stimme. Eigentlich für die Stimme.
Aber dieses Apparätchen ist gar praktisch gestaltet: Die Augen bleiben frei, können in der Gegend umherschauen, können sogar eine Brille tragen, und können folglich – ta ta! – ein Buch lesen.
Ja: ich lese!
Beim Inhalieren.
Wunderbar.
Und keiner kann mich in diesen 15 Minuten dort wegrufen. Ich darf einfach inmitten des größten Familientrubels ohne jedes schlechte Gewissen lesen. Bis zu zehnmal:) am Tag!

Ich weiß, man soll das Inhalieren ja nicht übertreiben, aber gerade kann ich mich gar nicht bremsen. Das Buch-Inhalieren ist sooo gesund …

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5 Kommentare

  1. Ach guck, da hast du ja schon eine Methode gefunden, um dir Zeit für dich und das Lesen zu „klauen“ :-)
    Hoffe, deiner Stimme geht es wieder gut und du geniesst gerade die wunderbare Bergwelt. Die Fotos sehen fantastisch aus. Wo stehen die Felsen denn? Sowas muss ich immer wissen, wenn die Berge toll aussehen, seit mich vor zweieinhalb Jahren das Bergfieber gepackt hat.

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  2. @alle:
    Ich sehe, Ihr seid von dieser Methode auch sehr begeistert ;-)
    Leider im Moment nicht praktizierbar (jedenfalls nicht glaubhaft der Familie zu vermitteln). Aber es hat das Lesen wieder etwas in Gang gebracht.

    @Constanze:
    Das sind die Dolomiten, im Trentin, südöstlich von Bolzano. Der Ort, an dem wir immer sind, heißt San Martino di Castrozza.
    Bald gibt's mehr, aktuelle Bilder. Bald …

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