Zeitrelationen

Das war erst in den Siebzigern, das ist doch noch gar nicht lange her.“
So ordneten wir ein Ereignis ein, über das wir auf unserem Neujahrsspaziergang sprachen.
Naja, vierzig Jahre, ein halbes Jahrhundert fast.“
So relativierte es jemand anderes.
Die Siebziger sind für unsere Jungs so lange her, wie für uns die Vierziger damals, als wir in ihrem Alter waren.“
So einfach bekommt das „nicht lange her“ eine neue Dimension.

Die Vierziger – das waren Kriegs- und Nachkriegszeit. Geschichtsbuchereignisse, die mir in meiner Kindheit wie vor aller Zeiten Anfang erschienen. So sind jetzt die Siebziger eine Ewigkeit her, wenn man sie mit den Augen der Kinder betrachtet.

Oder wir haben uns damals getäuscht mit unserem Ewigkeits-Gefühl und sind in Wirklichkeit kurz nach dem Krieg geboren. So kurz danach eben, wie doch auch die Wende erst gestern war. So müssen es jedenfalls die Jungs empfunden haben, lauschten sie unseren Gesprächen dieser Tage.

Wenn man mit Freunden zusammen ist, die einen seit über 26 Jahren begleiten,
wenn unsere erste Begegnung so präsent ist als wäre sie gestern gewesen,
wenn also die Zeitspanne seither wie ein Wimpernschlag erscheint, in welchem die Ereignisse eines Vierteljahrhunderts Platz hatten,
dann vermischen sich das „vor kurzem“ und das „lange her“ auf fast unheimliche Weise.

… Zeitflimmern …

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